Der Obdachlose aus Kopenhagen


Ich verbrachte kürzlich beruflich ein paar Tage in Kopenhagen und genoss meine spärliche Freizeit mit Spaziergängen durch die malerische Altstadt. In einer Nebenstrasse begegnete ich einem Obdachlosen. Reflexartig griff ich nach meinem Geldbeutel. Diesmal hielt ich jedoch inne. Wofür wird er das Geld brauchen? Für eine Übernachtung? Für Essen? Für Drogen? Und morgen? Welche Hilfe leiste ich diesem Menschen, wenn ich ihn darin unterstütze im Kreislauf der Bedürftigkeit gefangen zu bleiben?


Ist er nicht viel mehr als das, was ich visuell war nehme? Er ist die Kreation einer omnipotenten Intelligenz, die ihn mit allem ausstattet, was er zum Überleben, gesund werden und neue Wege finden braucht. Er ist untrennbar mit dieser Quelle verbunden, die ihn aus jeder Sackgasse wieder hinausführen kann. Ich denken an all die Naturvölker, die scheinbar von Mutternatur zusätzliche Sinne geerbt haben, um zu überleben! Nein, nicht nur sie – wir alle.


Als ich meine Life Trust Coach Ausbildung begonnen hatte, war mir aufgefallen, dass sehr viele der Mitlernenden durch eine massive Lebenskriese gegangen waren, bevor sie sich den essenziellen Themen des Lebens gewidmet hatten. Der Mensch ist offensichtlich ein träges Wesen, der sich nicht bewegt, bis ihm das Wasser bis zum Hals steht.


Ich bin davon überzeugt, dass jedem Leben ein Plan vorausgeht, und es möchte uns bis zum letzten Atemzug auf diese, je eigene Fährte führen. Sind unsere Sinne zu sehr vom Alltagsstress betäubt, schickt uns das Universum eine Krise, welche uns aus dem Standby Modus schüttelt und wieder wachrüttelt. Wir erhalten immer wieder die Chance hinzuhören und der intuitiven Stimme zu folgen. Doch auch dann – wir haben die Wahl zu reagieren oder stehen zu bleiben.


Zurück zum Obdachlosen...


Hat er im entscheidenden Moment aufgegeben und die Chance der Krise verpasst? Auf der Kreuzung stehen zu bleiben ist lebensgefährlich. Worauf wartet er? Auf den Tod oder ein Wunder? Zur grossen Frage zurück, was ihn wieder in Bewegung versetzen kann, ist Kleingeld wohl die falsche Strategie. Er muss die Antwort in sich selbst finden, denn nur er hat sie. Echte Hilfe bedeutet wohl eher, die Strassen abzusperren, damit Ruhe einkehrt und die Wegweiser sichtbar werden.

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